Drei Bereiche sind für die umfassende und psychologisch fundierte Beschreibung einer Person relevant: Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmale und Denkstile. Da alle drei Bereiche sowohl relativ konstante (geerbte und in früher Sozialisation erworbene) als auch bewusst formbare Anteile haben, sind sie als Basis einer Kompetenzrekonstruktion nutzbar. Im Coachingprozess werden die drei Bereiche verknüpft, um die individuelle Palette an Kompetenzen breit zu fundieren und in den Umsetzungsmöglichkeiten zu konkretisieren.

Fähigkeiten liefern die inhaltliche Komponente von Kompetenzen. Persönlichkeitsfaktoren geben Hinweise auf präferierte Umsetzungssituationen, vor allem im Zusammenspiel mit der sozialen Umwelt, und Denkstile beschreiben die individuelle Methodik beim Einsatz von Kompetenzen.

Im Diskurs zu kompetenzorientierten Verfahren hat sich zuletzt der Begriff „Feststellung“ etabliert. Meiner Einschätzung nach ist dies der Versuch, dem Spannungsfeld der Anforderungen des Marktes zwischen reflexiv-fördernden und objektiv-diagnostischen Methoden mit einem neutralen Wording zu begegnen. Nimmt man das Konzept der biographisch gewachsenen Kompetenz ernst, so folgt daraus, dass eine Messung höher als ordinal skaliert nicht möglich ist. Von Seiten (u.a.) der Personalentwicklung in Unternehmen besteht jedoch meist der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und Objektivität der Verfahren, auch im Sinn von Vergleichbarkeit und Fairness. Wie lässt sich dies nun vereinen? Möglicherweise durch eine Kombination von biographischer Kompetenzrekonstruktion und Teilen der klassischen Potenzialanalyse.

Im Konzept der kompetenzfokussierten Beratung ergibt sich die Vereinbarkeit einerseits aus der Anerkennung der lebensgeschichtlich entwickelten individuellen Kompetenzen und andererseits aus der Verortung dieser Kompetenzen in verschiedenen Rahmen, die aus der psychologischen Forschung fundiert sind. Dies kann entweder durch Testung erfolgen oder durch die intersubjektive Validierung von Einschätzungen der Person. So dienen die „Frames“ der kompetenzfokussierten Beratung dazu, den Begriff der „Feststellung“ tatsächlich methodisch umzusetzen. Neben dem deutlich erhöhten Verständnis der Hintergründe der eigenen Kompetenzen (Metakognition) hat dieses Vorgehen für Coaching-Teilnehmer auch den Effekt der Verankerung durch intensivere Reflexion. Dadurch werden die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten der Kompetenzen klarer und persönliche Zielformulierungen konkreter.

Das empirisch am besten gesicherte Modell von Persönlichkeitseigenschaften sind die „Big Five“:

http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Five_%28Psychologie%29

Jeder Mensch markiert seine Position auf den Kontinuen von Extraversion, Nervosität, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit. Das persönliche Profil ist nicht nur im Test ermittelbar, es ergibt sich in Selbst- und Fremdbild auch durch die Zuschreibung von situativ gezeigten Eigenschaften.

 

Denkstile (cognitive styles) sind definiert als individuelle Unterschiede in der mentalen Verarbeitung von Informationen. Sie beinhalten die kognitiven Funktionen: Wahrnehmen, Denken, Entscheiden und Probleme lösen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Cognitive_style#Multi-dimensional_models_and_measures

 

Die Dreiteilung in Fähigkeiten, Eigenschaften und Denkstile bildet auch die Grundlage für die angelsächsisch geprägte Forschung zu „cognitive styles“. Die Statistik zeigt, dass die drei Bereiche wenig korrelieren. Fähigkeiten sind also aus der Kenntnis von Persönlichkeitsfaktoren und Denkstilen einer Person schwer vorherzusagen und umgekehrt. Erst in der Kombination ergibt sich das vollständige Bild.

Hier Literatur zum aktuellen Forschungsstand und Anwendungsbereichen in Bildung und Management:

http://www.amazon.de/Style-Differences-Cognition-Learning-Management/dp/0415801990/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1332687307&sr=8-4

 

 

Leave a Reply